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meximex Wissen – Leitfäden, Checklisten & Vorlagen für Rohkaffee‑Import und B2B‑Sourcing
Praxiswissen rund um Incoterms (FCA/FOB), Container vs. Sammelgut, Spediteur‑Auswahl, Kondensationsschutz, Dokumente & Compliance.
Rohkaffee aus Mexiko importieren: FCA vs. FOB, Container vs. Sammelgut
Dieser Leitfaden erklärt anschaulich, wie der Import in der Praxis abläuft – inklusive Zuständigkeiten (wer zahlt was?), Auswahl eines geeigneten Spediteurs und Vorlagen zum Download.
Die 30‑Sekunden‑Empfehlung
- Container‑Sendung? In der Praxis ist FCA (Incoterms® 2020) oft die sauberere Wahl als FOB, weil der Risikoübergang dort stattfindet, wo der Container tatsächlich an den Carrier übergeben wird (Terminal/CFS/CY) – und nicht “irgendwann” an Bord.
- Regelmäßige Mengen? Meist FCL (eigener Container) statt Sammelgut, weil weniger Umschlagpunkte und mehr Kontrolle (Geruch/Feuchte/Handling).
- Microlots/Testmengen? LCL (Sammelgut) kann sinnvoll sein, aber nur mit einem Spediteur, der Commodity‑LCL sauber kann – sonst frisst dich das Handling‑Risiko auf.
1) Was FCA in der Praxis bedeutet (und warum das bei Containern hilft)
FCA (Free Carrier) – benannter Ort heißt: Der mexikanische Verkäufer liefert die Ware exportverzollt an den vom Käufer benannten Frachtführer am vereinbarten Übergabeort.
Genau dort geht Risiko (Verlust/Beschädigung) auf den Käufer über.
Die zwei FCA‑Varianten, die du wirklich brauchst
- FCA Verkäufergelände (Seller’s Premises / Mill / Warehouse): Der Verkäufer lädt auf das Abholfahrzeug des Carriers. Risikoübergang nach dem Laden.
- FCA Terminal/CFS/CY (Hafen/Speditionsstation): Der Verkäufer bringt Ware/Container zum benannten Punkt und übergibt an den Carrier. Risikoübergang bei Übergabe/Gate‑in.
Warum das wichtig ist: Container werden oft schon am Terminal “übergeben”. FCA bildet diese Realität besser ab als FOB, weil FOB formal den Risikoübergang erst “an Bord” sieht – was bei Containerprozessen zu Grauzonen führen kann.
Tipp für Akkreditiv/Zahlungen gegen Dokumente: Incoterms® 2020 hat bei FCA eine Option, damit der Carrier ein On‑board B/L ausstellt (wenn ihr das vertraglich so vereinbart).
2) Der End‑to‑End‑Ablauf: Veracruz → deutsche Rösterei (wer zahlt was?)
Phase A – Mexiko (Verkäuferseite bis zur FCA‑Übergabe)
- Aufbereitung/Exportvorbereitung: Milling, Sortierung, Bagging (z. B. Jute + GrainPro), Marking, QC.
- Exportdokumente & Exportabfertigung: liegt bei FCA beim Verkäufer.
- Inlandtransport zum Übergabeort: je nach FCA‑Ort organisiert/bezahlt der Verkäufer den Vorlauf.
- Übergabe an Carrier: Hier ist der Risiko‑Kipppunkt.
Phase B – Seetransport (Käuferseite)
- Seefracht/Main Carriage: Buchung über Käufer/Forwarder.
- Versicherung: FCA verpflichtet den Verkäufer nicht zur Versicherung. Käufer entscheidet (empfohlen).
Phase C – Deutschland/EU (Käuferseite)
- Entladung/Handling am Zielhafen: Destination charges, Terminal handling etc.
- Import/Zoll: Einfuhranmeldung über Käufer (oder seinen Zollagenten) – idealerweise klar “in buyer’s name”.
- Inlandzustellung: Lkw/Schiene bis zur Rampe der Rösterei.
Merke: Incoterms regeln Lieferung, Risiko- und Kostenübergang – nicht automatisch Eigentumsübergang oder Zahlungszeitpunkt. Das regelt euer Kaufvertrag.
3) Container (FCL) oder Sammelgut (LCL)? So entscheidest du ohne Bauchgefühl
FCL – eigener Container
- Pro: weniger Umschlag, weniger Verwechslung, mehr Kontrolle über Containerzustand, Stauplan und Schutzmaßnahmen.
- Contra: Kondensationsrisiko (“container rain”), wenn falsch gestaut/geschützt oder bei starken Temperaturschwankungen.
LCL – Sammelgut (CFS‑Handling)
- Pro: ideal für kleine Mengen/Microlots.
- Contra: mehr Handlingpunkte, weniger Kontrolle über Mitladung, potenziell höheres Geruchs-/Feuchterisiko.
Empfehlung: Regelmäßige/volumenstärkere Mengen → meist FCL. Testkauf/Microlots → LCL nur mit erfahrenem Commodity‑Forwarder.
4) Kondensation, Feuchte, Claims: die Praxis‑Fallen (und wie du sie abstellst)
Der Klassiker: warme, hygroskopische Ware aus tropischem Klima trifft auf kältere Routen/Temperatursprünge. Wasser kondensiert an kalten Flächen und tropft – Schäden reichen von Flecken bis Schimmel/Geruch.
Minimal‑Schutzstandard (schriftlich verlangen)
- Container‑Inspektion vor Stuffing: trocken, sauber, geruchsneutral.
- Liner + Trockenmittel (Desiccants): je nach Saison/Route als Standardpaket.
- Stauplan: Luft-/Kontaktmanagement reduziert Kondensationspunkte.
- Schnelles Stripping am Ziel: lange Standzeiten erhöhen Risiko.
- Dokumentation: Fotos, Seal, Container‑Nr., Trockenmittel – Claims‑fähig.
5) Spediteur finden: Vorgehen + 10 Fragen
Vorgehen
- Longlist (5–8 Anbieter) → RFQ an alle gleich → Shortlist → Pilot‑Shipment.
- Ziel: nicht das billigste Angebot, sondern das robusteste (Transparenz, Kondensation, Free‑Time, Claims).
Die 10 Fragen, die Qualität zeigen
- Welche FCA‑Formulierung quoten Sie genau (Ort, wann “in charge”)?
- Wie verhindern Sie Kondensation konkret (Liner/Desiccants/Load‑Plan)?
- Wie prüfen Sie Container auf Geruch/Feuchte/Sauberkeit?
- Wie sind Free‑Time, Demurrage/Detention geregelt?
- Wie transparent sind Origin/Ocean/Destination‑Kosten?
- Können Sie Importverzollung in Deutschland in Käufernamen abwickeln?
- Wie laufen Status‑Updates/Tracking (Frequenz, Tool, Ansprechpartner)?
- Wie läuft Claims‑Management (Survey, Fristen, Unterstützung)?
- Haben Sie Kaffee-/Commodity‑Referenzen?
- Welche realistische Transitzeit nennen Sie – und wie stabil ist die?
6) RFQ‑Vorlage (Copy & Paste)
Du kannst auch direkt die Datei RFQ‑Vorlage (TXT) herunterladen.
Betreff: RFQ – Seefracht grüner Kaffee Mexiko → Deutschland (Veracruz → [Ort Rösterei]) – Incoterms FCA
Hallo [Name/Team],
bitte senden Sie uns ein Angebot für den Transport von grünem Rohkaffee aus Mexiko nach Deutschland inkl. Zustellung zur Rösterei.
1) Grunddaten
- Ware: Grüner Kaffee (Rohkaffee), in Säcken
- HS-Code: 0901 (bitte bestätigen)
- Verpackung: [z.B. 60/69 kg Jute + GrainPro], Markierung: [ja/nein]
- Menge: [xx Säcke / xx Paletten], Bruttogewicht: [kg], Volumen: [m³]
- Gefahrgut: Nein
- Besonderheit: geruchs- und feuchteempfindliche Ware
2) Incoterm / Übergabepunkt (wichtig)
- Gewünschter Incoterm: FCA – Incoterms® 2020
- Benannter Ort: [z.B. “FCA CFS Veracruz” ODER “FCA Terminal Veracruz” ODER “FCA Warehouse/Mill [Adresse]”]
- Bitte beschreiben Sie exakt, wann Sie die Sendung “in charge” übernehmen (Risiko-/Haftungsübergang).
3) Transportmodus
- Option A: FCL (eigener Container) – Größe: [20’ / 40’]
- Option B: LCL (Sammelgut) – Abrechnung: [W/M], Mindestmenge: [bitte nennen]
- Bitte bieten Sie A und/oder B an und empfehlen Sie die sinnvollere Variante.
4) Zeitfenster
- Ware bereit ab: [Datum]
- Zieltermin (gewünscht): [Datum / KW]
- Bitte nennen Sie Transitzeiten inkl. Vor-/Nachlauf.
5) Leistungen (bitte ausweisen)
ORIGIN (Mexiko)
[ ] Abholung am Seller Premises
[ ] Zustellung an CFS/Terminal
[ ] Exportabfertigung (durch Verkäufer – bitte bestätigen, welche Dokumente Sie benötigen)
OCEAN
[ ] Seefracht inkl. Zuschläge (bitte transparent ausweisen)
DESTINATION (Deutschland)
[ ] Entladung/Handling Hafen
[ ] Importzollabfertigung / Zollagent (in Käufernamen)
[ ] Zustellung zur Rösterei: [Adresse], Entladung: [Rampe/Hebebühne/Stapler?]
[ ] Lagerung (optional): [falls benötigt]
6) Schutz & Qualität
- Bitte beschreiben Sie Ihr Konzept zur Vermeidung von Kondensation/Schimmel:
* Containerprüfung (Sauberkeit/Geruch/Trockenheit)
* Liner ja/nein (Kosten?)
* Desiccants ja/nein (Kosten/Anzahl?)
* Hinweise zum Stauplan
- Temperaturgeführter Transport: [nicht erforderlich / optional anbieten]
7) Versicherung (optional anbieten)
- Deckung: [ICC(A)/ICC(B)/ICC(C)], Selbstbehalt: [ ]
- Prämie (Richtwert) und Abwicklungsprozess
8) Dokumente
- Benötigte Dokumente: [Invoice, Packing List, B/L, Certificate of Origin, ...]
- Können Sie “on-board B/L” bereitstellen, falls unsere Zahlungsbedingungen dies verlangen? (falls relevant)
9) Preisstruktur (bitte zwingend aufschlüsseln)
- Origin Charges: [Positionen + Betrag]
- Ocean Freight: [Positionen + Betrag]
- Destination Charges: [Positionen + Betrag]
- Inland Trucking DE: [Positionen + Betrag]
- Free Time / Demurrage / Detention: [Regeln, Sätze]
- Gültigkeit des Angebots: [Datum]
- Zahlungsbedingungen: [ ]
10) Ansprechpartner & Tracking
- Fester Ansprechpartner für die gesamte Kette: [Name]
- Tracking/Status-Updates: [Frequenz/Tool]
Vielen Dank und freundliche Grüße
[Name]
[Firma]
[Telefon]
[Adresse]
7) Bewertungsmatrix: Angebote fair vergleichen
Wenn du drei Angebote hast, wirken sie oft “ähnlich” – bis man Demurrage/Detention, Handling, Schutzkonzept und Claims‑Prozess ehrlich bewertet.
Die Matrix zwingt zu einem objektiven Vergleich.
Bewertungsmatrix herunterladen
Tipp: In Excel/Sheets rechnest du z. B. Punkte = Gewicht% × Score / 5.
8) EUDR kurz & schmerzfrei
Für Kaffee wird die EU‑Entwaldungsverordnung (EUDR) relevant: Wer Kaffee erstmals auf dem EU‑Markt bereitstellt (“Operator”), muss eine Due‑Diligence‑Erklärung abgeben und Nachweise/Geodaten sicherstellen.
Plane das früh ein – es ist kein “Papierkram am Ende”, sondern ein Datenprozess vom Ursprung bis zur Charge.
FAQ
Warum nicht einfach FOB?
FOB ist für klassische Seeschifffahrt gedacht. Bei Containerprozessen passiert die operative Übergabe oft vor dem “an Bord”-Moment.
FCA bildet das in vielen Fällen sauberer ab.
Wann ist Sammelgut sinnvoll?
Wenn du wirklich kleine Mengen importierst (Microlots, Tests) und ein guter Commodity‑Forwarder CFS‑Handling sauber macht.
Quellen & weiterführende Links